Eine unerkannte Bedrohung – Müllteppiche im Pazifik
Wissenschaftler schlagen Alarm: im Pazifischen Ozean schwimmt eine „Suppe“ aus Plastikmüll, die ständig wächst und mittlerweile eine Ausdehnung der doppelten Größe der USA erreicht hat. Es handelt sich um nicht mehr oder weniger als die größte Müllkippe der Welt. Die Müllansammlung wird durch Unterwasserströmungen zusammengebracht, an eine Stelle die etwa 500 Seemeilen von der kalifornischen Küste entfernt beginnt und sich über den Nordpazifik, die Hawaii Inseln bis fast nach Japan ausdehnt. Die Ansammlung driftet. Charles Moore, ein amerikanischer Ozeanograph und Mitentdecker des Müllteppichs, schätzt, dass etwa 100 Millionen Tonnen Plastikmüll in dieser Region schwimmen. Da das Plastik nicht nur an der Oberfläche schwimmt, sondern durch Strömungen und Wirbel auch in die Tiefe gezogen wird, sprechen Wissenschaftler wie Charles Moore oder Curtis Ebbesmeyer, ebenfalls Ozeanograph und führende Autorität auf dem Gebiet des seeischen Mülls, von einer Plastiksuppe. „Man darf es sich nicht wie eine riesige Insel vorstellen, auf der man laufen kann“ sagt Moore. Der Müll reicht bis zum Grund. Curtis Ebbesmeyer, der die Plastikansammlungen im Meer seit 15 Jahren studiert, vergleicht den Müllhaufen sogar mit einem lebenden Wesen. „Es bewegt sich wie ein riesiges Tier ohne Leine.“ sagt er „Wenn das Tier in die Nähe von Land kommt, wie es das beispielsweise in Hawaii getan hat, dann ist das Ergebnis dramatisch. Das Tier kotzt, und Du hast einen mit Plastik bedeckten Strand.“
Die Müllansammlung besteht aus zwei Teilen, die sich an beiden Seiten des Hawaii Archipels ausdehnen, die als West- und Ostpazifischer Mülllappen bezeichnet werden. Ein Fünftel des Mülls – der aus so verschiedenen Anteilen wie Fußbällen, Kajaks, Legosteinen oder Plastiktüten besteht – wird von Ölplattformen oder Schiffen weggeworfen, der Rest kommt vom Land. Charles Moore warnt, dass wenn Verbraucher ihren Plastikkonsum nicht drastisch einschränken, dann werde der Müllteppich seine Größe im Laufe der nächsten 10 Jahre verdoppeln. Von natürlichem Abbau kann nicht die Rede sein. Modernes Plastik ist haltbar. In der Müllansammlung wurden Teile gefunden, die 50 Jahre alt waren. „Jedes kleine Plastikteilchen, dass in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde, und seinen Weg in den Ozean gefunden hat, ist immer noch im Meer“ sagt Tony Andrady, ein Chemiker des Research Triangle Institute. Da der Müll lichtdurchlässig ist, und direkt unter der Wasseroberfläche liegt, kann man ihn auf Satellitenaufnahmen nicht sehen. „Man sieht ihn nur vom Schiff aus“ sagt Charles Moore. Der Effekt auf Ökosysteme, Tiere und letztendlich den Menschen ist dramatisch. Der Müll tötet eine Million Seevögel im Jahr, und mehr als 100 000 Meeressäugetiere. Kleinste Plastikteile absorbieren gefährliche Chemikalien wie Pestizide. Diese werden von Fischen und Meerestieren aufgenommen und landen schließlich in menschlicher Nahrung. Dr. Eriksen, ein Marinebiologe formuliert es ganz einfach: „Was ins mehr gerät, gerät in die Tiere, und von dort aus auf ihren Teller. So einfach ist das“.
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