Gehört Kunst zu den wichtigten Dingen des Lebens
Ist die Beschäftigung mit der Kunst, der Kunstpsychologie Luxus? Auf den ersten Blick ist die Behauptung, dass für Kunst erst Zeit ist, wenn alle wichtigen Lebensprobleme gelöst sind, gar nicht so abwegig. In der Tat müssen erst einige menschliche Mindestbedürfnisse befriedigt werden – wie Nahrung und Schlaf, bevor der Mensch sich mit Kunst und deren Wahrnehmung und Wirkung beschäftigen kann. Auf der anderen Seite findet man das Bedürfnis nach kreativen Ausdruck auch bei Menschen, denen es nicht leicht fällt, oben genannte Notwendigkeiten zu garantieren, und die sich in sehr schwierigen Lebensumständen befinden. Außerdem wird bei näherem Hinsehen deutlich, wie sehr Kunst mit unserem Alltag verknüpft ist. Ein vollständiges Bild des Menschen kann ohne diesen Aspekt nicht entworfen werden. Freud beispielsweise bezeichnete die Kunst als die Phantasiebefriedigung von Bedürfnissen. Wie etwa, wenn der steinzeitliche Jäger das Bild des zu erlegenden Wildes an die Höhlenwand malte. Ideal dargestellte Frauenkörper ersetzen die unerreichbare Schöne, eine Darstellung von Gewalt liefert ein Ventil für den aggressiven Trieb. Weiterhin funktioniert Kunst als Statussymbol und Nachweis des „richtigen“ Geschmacks – gleichermaßen für den antiken Fürsten wie für den modernen Konzertchef, also ein Nachweis des sozialen Rangs. Neben den Aspekten der Triebbefriedigung und Statusnachweis kann man auch von einem Ästhetischen Motiv – also einem Menschlichen Urbedürfnis nach Schönheit sprechen. Ferner haben Menschen ein elementares Bedürfnis, sich mitzuteilen und ihre Individualität auszudrücken. Wo sollten sie dies besser können als mit Mitteln der Kunst. Der Ausdruck der Erfahrungen der einzelnen Künstler trägt zur Entwicklung der Kultur bei, erfüllen das Bedürfnis nach Kommunikation, und schaffen zusammen ein Weltbild. Kunstbetrachtung und Kunstschaffen können zu Gipfelerlebnissen führen, Momenten der Erleuchtung, des absoluten Glücks und des Einsseins mit dem Universum. Es werden Empfindungen und Erlebnismöglichkeiten freigesetzt, die sonst nur in Ausnahmefällen zur Verfügung stehen. Alles in allem ist die Kunst und die Beschäftigung mit ihr ein zentrales menschliches Thema.
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