Insel Hvar – Die Lange in der Adria
Kroatien, Balkanstaat und als Mittelmeeranrainer an der Adria gelegen, bietet zahlreiche Möglichkeiten für die schönsten Tage im Jahr. Wer allerdings immer noch glaubt, dass es sich um ein Low-Budget-Urlaubsland handelt, der irrt. Trotzdem stellt ein Urlaub im ehemaligen Jugoslawien auf jeden Fall eine Alternative zu den Betonhochburgen Rimini und Costa Brava dar. Backpackern bietet das neue Inter-Rail-Ticket der Deutschen Bahn die Gelegenheit Land und Leute beispielsweise auf Schienen zu erleben. Kulturinteressierte können Kroatien auf den Spuren des italienischen Nationaldichters Gabriele d’Annunzio oder auf denen Winnetous erkunden und Inselhopper kommen besonders bei den Nord- und Mitteldalmatinischen Inseln auf ihre Kosten.
Zu den interessantesten und schönsten und von daher auch meist besuchten Inseln gehört die Insel Hvar, die wegen ihrer 68 Kilometer Ausdehnung auch die „Lange“ genannt wird. Im Westteil ist die Insel bis zu 11 Kilometer breit, sonst aber nur 5 Kilometer schmal und sehr gebirgig. An den stark zerklüfteten Buchten auf der Nordseite liegen die größeren Orte. Die Steilküste im Süden ist kaum bewohnt. Der höchste Punkt auf Hvar und lohnendes Ziel für Trekkingfreunde liegt südlich von Stari Grad: der Sveti Nikola mit einer Höhe von 628 Metern. Direkt unterhalb des Berges auf 626 Metern über dem Meeresspiegel liegt die kleine Stadt Sveta Nedjelja (heiliger Sonntag), die von zahlreichen Oliven- und Weinhängen eingesäumt ist. Über gut ausgeschilderte Wege gibt es von Sveta Nedelja des Weiteren die Möglichkeit einen kleinen Ausflug zu den Ruinen eines Augustinerklosters in die Höhle oberhalb des Ortes zu unternehmen.
Klimatisch liegt die Adriainsel in äußerst günstiger Lage, da sie sich geografisch der Länge nach unterhalb von seiner Nachbarinsel Brac ausstreckt und sich damit weitestgehend dem Bora, einem kalten böigen Fallwind, entzieht. Durch diese geschützte Lage bleibt Hvar vor heranziehenden Wolken verschont und kann mit durchschnittlich 2718 Jahressonnenstunden punkten.
Das milde Klima im Winter und die teils sehr heißen Sommer lassen damit eine üppige Macchia entstehen. Die global einzigartige Hartlaubvegetation ist besonders in den Frühlingsmonaten besonders prächtig und findet ihren Höhepunkt im Juni, wenn sich die gesamte Insel in ein lila kleidendes Gewand hüllt. Dann blüht auf Hvar der Lavendel. Doch bereits ab März duftet die gesamte Insel wie ein Kräutergarten. Neben wildem Rosmarin finden Pflanzenliebhaber Salbei, Thymian und Majoran in freier Wildbahn vor.
Geschichtlich führt diese üppige Kräutervegetation auf venezianische Zeiten zurück, weil die Einwohner der Lagunenstadt den Zusammenbruch des Gewürzhandels mit dem Orient ausgleichen wollten.
Neben der bunten Flora bietet die Insel auch unberührte Küstenabschnitte und zahlreiche versteckte Buchten, die weit abseits der touristischen Hochburgen liegen, die sich hauptsächlich im Westen der dalmatinischen Insel konzentrieren.
Unter den zahlreichen Naturschauspielen, die Hvar zu bieten hat, sind das bekannteste und mit Abstand auch imposanteste die Hölleninseln vor der Stadt Hvar. Der Inselhauptort liegt malerisch in einer geschützten Bucht im Südwesten. Pakleni otoci, wie die Hölleninseln in ihrer Landessprache heißen, ist ein aus 20 Inseln und Felsen bestehender Archipel, der Taucher aus aller Welt in seinen Bann zieht. Im Hafen von Hvar legen Taxiboote u. a. zu den Inseln Jerolim und Stipanska ab. Beide sind beliebte Badeziele an deren Stränden auch FKK erlaubt ist.
Die Hauptstadt selbst wurde bereits 1870 als Bade- und Luftkurort bekannt. Das Herz der Stadt schlägt am Hafen, um den sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gruppieren. Das Arsenal direkt an der Mole entstand 1579, dessen superlativer Bau durch den damaligen Stadtoberhaupt Pietro Semitecolo noch um ein weiteres übertrumpft wurde. Im Obergeschoss des Arsenals ließ er zusätzlich ein Theater bauen, das heute zu den ältesten in Europa zählt. Vis a vis befindet sich die Loggia, ein prächtiger Renaissancebau. Das Ende des herrschaftlichen Platzes bildet die Kathedrale Sveti Stefan.
Hingegen 20 Kilometer von Hvar entfernt liegt Stari Grad, welches das frühere Zentrum der Insel bildete und ebenfalls eine hohe Anziehungskraft bei Touristen ausübt.
Diese ungemeine Anziehungskraft manifestierte sich nicht zuletzt auch in zahlreichen Presseartikeln, die Hvar zu einer der 10 schönsten Inseln der Welt erhoben. Dennoch hat die „Lange“ ihren Charme für Neuentdeckungen nicht verloren und gilt nach wie vor als Geheimtipp in der kroatischen Adria.
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