Promenadenmischung oder Rassehund
Viele Hundehalter geben Mischlingen den Vorzug vor Rassehunden, die ihnen zu überzüchtet, in ihren Merkmalsausprägungen und Verhaltensweisen zu exaltiert oder schon an der Grenze zum Pathologischen erscheinen. Auch schrecken sie vor so genannten Krankzüchtungen zurück. Viele Hunderassen bekommen nämlich nicht nur ein ansprechendes Äußeres vererbt, sondern auch Charaktereigenschaften, die teilweise ins psychotische reichen – ein Beispiel wäre hier die bekannte Cockerwut – oder körperliche Eigenschaften, die dem Tier Schmerzen bereiten und hohe Tierarztkosten bedeuten. Die Dackellähme ist die Folge eines zu lang gestreckten Körperbaus, der bei der Zucht favorisiert wird, die Hautfalten mancher Hunderrassen wie der Bernhardiner sind oft Ursache für Hautekzeme, die hängenden unteren Augenlider können chronische Augenentzündungen bewirken, die vom internationalen Standard geforderte abfallende Rückenlinie von Schäferhunden verursacht Hüft- und Rückenleiden bei den Hunden, und die extreme Verkürzung der Nase bei Mops und Bulldogge bedeutet chronische Atemschwierigkeiten. Die renommierten Hundezüchter halten dagegen. In ihren Augen kann man durch selektive Zucht die wahren Bedürfnisse des Tieres befriedigen. Sie werfen den Besitzern von Bastarden vor, dass ihre Hunde verwahrlost sind, streunen und öffentliche Plätze verunreinigen. Wenn nur noch Rassehunde gehalten werden würden, behaupten sie, würde die Gesellschaft ihre Vorurteile abbauen und den Hund als das Wertobjekt sehen, das er ist. Als Alternative zu den so genannten Qualzüchtungen verweisen sie auf robuste alte Rassen, die von internationalen optischen Standards noch nicht verdorben sind. Beide Ansichten, die Pro-Bastard und die Pro-Rassehund enthalten ein Körnchen Wahrheit.
Für einen Rassehund spricht die Vorliebe des zukünftigen Besitzers für ein bestimmtes Aussehen und die Vermutung, dass sich das Verhalten des zukünftigen Familienmitglieds aufgrund der Rasseeigenschaften besser voraussagen lässt. Ein Rassehund mit Stammbaum ist eine Investition – und für nicht seriöse Züchter ein einträgliches Geschäft, dass Opfer fordert, wie nicht nur die große Anzahl „überzähliger“ oder „fehlerhafter“ Rassehunde in Tierheimen zeigt. Aber auch die Promenadenmischungen haben zu leiden: bis zu 76% der Hunde in Tierheimen sind Mischlinge. Bastarde werden nicht selten als Ausschuss betrachtet und dementsprechend behandelt. Schade, denn sie sind treue und freundliche Kameraden, die eine liebevolle Behandlung verdient haben.
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