Was ist eigentlich Sozialphysik

  

Das Wort Sozialphysik oder Soziphysik bezeichnet das Konzept, das davon ausgeht dass sich soziale Szenarien nach der Art naturwissenschaftlicher Modelle erforschen und voraussagen lassen.Die Idee der Sozialphysik kam zuerst bei den Französischen Materialisten im 18. Jahrhundert auf. Bekannte Wissenschaftler und Autoren in diesem Bereich waren Auguste Comte und Emile Durkheim. Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelte sich die Sozialphysik zu einem interdisziplinären Forschungsgebiet, das sich der Erforschung und Beschreibung von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischer Erscheinungen durch physikalische und mathematisch-statistische Methoden widmet

Die Forscher nehmen an, dass komplexe gesellschaftliche Systeme aus einer großen Anzahl voneinander unabhängig agierender Akteure bestehen, diese jedoch nicht völlig frei in ihren Handlungen sind, sondern vielmehr rationalen Überlegungen folgen und/oder durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen in ihren Handlungen eingeschränkt werden. Sie untersuchen also kollektive Phänomene nach physikalisch mathematischen Methoden, weil sie davon ausgehen dass auch in der sozialen Welt ist Vieles bestimmten Mustern der Selbstorganisation unterworfen ist – wie eben die Systeme in Atomen. Der Sozialphysiker Mark Buchanan hat darüber ein interessantes Buch geschrieben, das auch für Laien leicht verständlich die Grundlagen der Sozialphysik erklärt: Warum die Reichen reicher werden und Ihr Nachbar so aussieht wie Sie. Neue Erkenntnisse aus der Sozialphysik. Erschienen im Campus Verlag, 2008.

Menschen, die individuelle Entscheidungen treffen, können damit völlig ungewollt gesellschaftliche Phänomene auslösen. Und diese beeinflussen dann wieder das Handeln Einzelner – so entstehen Modetrends, Gerüchte, Finanzkrisen und sogar Aufstände “aus dem Nichts“. Einfach erklären kann man dies am Beispiel eines grundlosen Staus: Er entsteht, weil Menschen nur in einer bestimmten Geschwindigkeit auf den Straßenverkehr reagieren können. Auf der Autobahn hat das Folgen: Wenn viele Fahrzeuge sehr schnell fahren und die Abstände zwischen ihnen immer kleiner werden, ist der einzelne Autofahrer irgendwann überfordert. Er muss bremsen, drosselt dadurch auch die Geschwindigkeit der Autofahrer hinter sich – und schon ist ein Phantomstau entstanden, der sich später genauso “ohne Grund” auch wieder auflöst.


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