Zwei klassische Künstlerinnen - Elisabeth Louise Vigee Lebrun und Artemisia Gentileschi

Von admin • 4. Oktober 2008 • Kategorie: Literatur

Einer meiner Freunde hat mir einmal den alten Spruch um die Ohren gehauen, es gäbe keine weiblichen Genies weil es keine weiblichen Serienkiller gibt. Als Beweis führte er an, es gäbe in der klassischen Malerei keine berühmten Künstlerinnen, ebenso wie es keine genialen Fotografinnen gibt. Mit Serienkillern kenne ich mich nun nicht aus, ich denke aber, dass dieser Macho mit seiner dürftigen Beweisführung in erster Linie seine Unkenntnis bewiesen hat. Nicht nur weil es die eindrucksvollen Arbeiten von Nan Goldin und Diane Arbus gibt, um nur zwei geniale Fotokünstlerinnen zu nennen, sondern weil es auch in der klassischen Kunst Frauen gibt, die ein wunderbares Werk hinterlassen haben. Warum es nicht mehr davon gibt ist einfach erklärt. Auch das größte Genie muss sich die Grundlagen seiner Arbeit durch Studium aneignen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Frauen der Zutritt zu Malerwerkstätten und Akademien größtenteils verwehrt, auch war es für eine Frau äußerst schwierig, an die für ihre Kunst notwendigen Käufer und Mäzene zu kommen, die größtenteils dem selben Vorurteil aufgesessen waren wie mein oben genannter Freund. Zudem konnten Ehemänner jederzeit in die Tätigkeit ihrer Frauen eingreifen und diese verbieten. Trotzdem gibt es in allen Jahrhunderten Ausnahmen, von denen ich zwei gerne kurz vorstellen möchte.

Artemisia Gentileschi war eine italienische Malerin die von 1593 bis 1653 lebte. Sie wurde durch ihren Vater, der ebenfalls Maler war, ausgebildet. Ihr Stil unterliegt deutlich dem Einfluss von Caravaggio. Artemisias Leben war geprägt von Gewalt und Unterdrückungserfahrungen, für die sie in ihrer Malerei ein Ventil fand. Nicht umsonst entwickelte sie eine Vorliebe für dramatische Szenen, in denen Frauen buchstäblich das Schwert führen. Ihr berühmtestes Bild ist eine detailgenaue Darstellung der Enthauptung des Holofernes durch Judith. Blutspritzen inklusive.

Elisabeth Louise Vigee Lebrun wirkte im Frankreich, England, den Niederlanden und der Schweiz des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie hatte das Glück, von Malern wie Greuze und Vernet ausgebildet zu werden. Es war ihr Mann, der sich um die Vermarktung ihrer Werke kümmerte, mit so großem Erfolg, dass sie es bis zur Lieblingsmalerin der Königin Marie Antoinette brachte. Ihre Werke erfreuten sich bei Hof großer Beliebtheit, und brachten der Familie ein gutes Einkommen. Die Schattenseite dieser Geschichte ist, dass Elisabeth von ihrem Mann zur pausenlosen Arbeit angehalten wurde, und praktisch keine Freiheit besaß. Die französische Revolution zwang die Malerin zur Emigration. Am Ende ihres Lebens veröffentlichte sie ihre Memoiren.



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